5 Punkte die für den Familientisch sprechen

Die Frage „Wie oft wir früher als Familie unter der Woche gemeinsam gegessen haben“, stellte sich bei uns gar nicht. Wir haben immer zusammen gegessen.

Heute ist das nicht mehr selbstverständlich. So wie die Eltern eingespannt sind, sind es die Kinder auch schon. Ich spreche natürlich nicht von Kleinkindern, die haben gar keine andere Wahl!

Die Frage stellt sich erst, wenn die Kinder grösser und selbständiger werden. Sie treffen am Abend noch Freunde oder haben Sportunterricht oder andere Verpflichtungen. Und die Eltern kriegen mit dem Älterwerden der Kinder wieder ein Stück Unabhängigkeit zurück und sind wieder mehr unterwegs. Das gemeinsame Essen gerät vielerorts in den Hintergrund.

 

Ich durfte ja am Abend auch als Jugendliche – wenn überhaupt dann vor oder nach dem Essen – noch ganz kurz zu meiner Freundin rüber. Aber meistens hingen meine Freundin und ich einfach endlos lange am Telefon, gleich nachdem wir uns Minuten zuvor verabschiedet hatten. Da war noch die Meitliriege am frühen Abend, ja, aber zum Essen waren einfach immer alle da. Ohne Diskussion.

 

Manche Familien legen aber auch heute noch sehr grossen Wert darauf, sich, wenn immer möglich, gemeinsam an den Tisch zu setzen. Viele sagen, es sei ihnen wichtig, einen Zeitpunkt pro Tag zu haben, wo man sich in Ruhe zusammensetzt und über den Tag spricht. Und genau darum geht es. Dieser gemeinsame Austausch hat unheimlich viele Vorteile, wie auch die in letzter Zeit vielzitierte amerikanische Studie der Columbia Universität beweist. Die Studie bringt das nicht-gemeinsame Essen mit psychologischen Problemen, mit Fettleibigkeit oder Essstörungen in Verbindung.

 

Ganz konkret, das sind die Vorteile, wenn man Mahlzeiten regelmässig gemeinsam als Familie einnimmt, auch wenn es nicht an jedem Tag möglich ist:

 

  • Vermittlung von vernünftigen, gesunden und abwechslungsreichen Essgewohnheiten.
  • Die wertvolle, gemeinsame Zeit als Familie, wo man sich auch über den Tag austauschen kann, sorgt für stärkeren Zusammenhalt.
  • Vermittlung von Tischregeln, Dinge wie: Es fangen alle gemeinsam an und man wartet, bis alle fertig sind. Geht schlecht, wenn sich jeder kurz und schnell direkt aus dem Kühlschrank ernährt. Die Eltern sind punkto Tischmanieren die besten Vorbilder.
  • Das Trainieren vom Sprechverhalten am Tisch – dass man zum Beispiel nicht wild durcheinander redet, dass jeder sagen kann, was er sagen möchte und die anderen zuhören. Am Tisch kann man prima das soziale Verhalten üben.
  • Indem die Kinder und Jugendlichen am Tisch über Erlebtes oder auch mal über Sorgen sprechen, denken sie selbst nochmal über das Thema nach, reflektieren alles. Dies kann bei aktuellen aber auch bei zukünftigen Problemlösungen helfen.

 

Abgesehen davon macht es auch Sinn, ein Ritual zu haben, dass für alle verbindlich ist. Dass man versucht, wenn es irgendwie geht, seine anderen Termine so zu planen, dass das gemeinsame Essen nicht ständig torpediert wird.

Und wenn man, anstelle vom Tellerservice, die Platten und Pfannen auf den Tisch stellt und gemeinsam schöpft und nachschöpft ist man schon mitten im sozialen Austausch.

 

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Ach und nein, das Handy gehört nicht auf den Tisch. Auch nicht in die Hosentaschen. Denn sobald es piept oder surrt muss man natürlich „unbedingt und auch nur ganz ganz kurz“ nachsehen, wer das gerade war. Das gilt aber nicht. Ergo: weg damit. Das kleine Ding steht die paar Minuten auch mal ohne Besitzer durch.