Die Lebensmittel-Pyramide

Ich weiss noch wie ich mir in der Schule dieses bunte Dreieck mit den vielen Lebensmitteln angeguckt habe. Die Lebensmittelpyramide. Was hängenblieb ist: Viel trinken ist gut, Gemüse und Früchte, aber Schoggi nur so ab und zu.

 

Was aber ist der Hintergrund dieser Pyramide? Wo kommt die her? Und richtet sich die ganze Welt danach?

Ich habe mich mit Steffi Schlüchter, dipl. Ernährungsberaterin HF bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE, darüber unterhalten. Sie erklärte mir auch, dass das Grundprinzip zwar schon auch für kleine Kinder gilt, das Konzept der Lebensmittelpyramide sich jedoch gezielt an Jugendliche und Erwachsene richtet, da sich das Mengenverhältnis mit dem Alter verändert.

Bei kleinen Kindern stehe die Abwechslung im Vordergund. Es müsse die Neugier für Unbekanntes geweckt werden, man müsse das Kind viele neue Lebensmittel in verschiedenen Variationen entdecken lassen. Ob etwas gesund oder ungesund ist, das verstehe ein Kind erst später. Je grösser die Abwechslung schon im Kleinkind- und Kindesalter sei, desto grösser sei später auch die Auswahl und die Chance, dass sich der heranwachsende Mensch dann auch gesund ernähre und ein Bewusstsein dafür entwickle.

 

Frau Schlüchter, wer hat die Lebensmittelpyramide erfunden?
Meines Wissens waren die Amerikaner Vorreiter. Die erste mir bekannte Lebensmittelpyramide für die Schweiz wurde von Coop herausgebracht.

 

Ist das denn immer die gleiche?
Lebensmittelpyramiden passen sich im Wandel der Zeit an, denn Bedürfnisse, aber auch Ernährungsgewohnheiten, verändern sich ständig. So unterscheiden sich Lebensmittelpyramiden in der Art der Darstellung, Verteilung der Stufen und Einteilung der Lebensmittel auch von Land zu Land. Die Chinesen stellen Ihre Essgewohnheiten beispielsweise in Form eine Pagode dar. In Spanien steht das Olivenöl auf derselben Stufe wie Obst und Gemüse.

 

Wie wirkt es sich Ihrer Meinung nach auf den Körper aus, wenn man sich an die Pyramide hält?
Die Schweizer Lebensmittelpyramide ist kein starrer Ernährungsplan. Die Empfehlungen verstehen sich als Leitplanken.
Die Schweizer Lebensmittelpyramide veranschaulicht bildlich eine ausgewogene Ernährung. Lebensmittel der unteren Pyramidenstufen werden in grösseren, solche der oberen Stufen in kleineren Mengen benötigt. Es gibt keine verbotenen Lebensmittel. Die Kombination der Lebensmittel im richtigen Verhältnis macht eine gesunde Ernährung aus. Wichtig ist, die Lebensmittel möglichst abwechslungsreich aus den einzelnen Pyramidenstufen zu wählen und schonend zuzubereiten. So wird der Körper optimal mit allen lebensnotwendigen Nähr- und Schutzstoffen versorgt.

 

Sind die empfohlenen 5 Portionen Gemüse/Früchte und 3 Portionen Getreideprodukte bzw. Milchprodukte realistisch? 
Ja, diese Mengen sind durchaus realistisch. 3 Portionen Milchprodukte sind beispielsweise nötig für eine optimale Kalziumzufuhr.
Gemäss dem 6. Schweizerischen Ernährungsbericht, essen wir nur 3 statt 5 Portionen Obst und Gemüse. Und nur circa 10% konsumieren die empfohlenen 3 Portionen Obst.

 

Bei manchen Ernährungsphilosophien wird auf die eine oder andere Nahrungsmittelgruppe verzichtet. Erachten Sie dies als problematisch?
Wir erachten es als kritisch, wenn ganze Lebensmittelgruppen gemieden werden. Werden beispielsweise Milchprodukte ganz gestrichen, wird eine optimale Kalziumzufuhr schwierig. Natürlich liefern gewisse grüne Gemüse, wie auch kalziumreiches Mineralwasser, Kalzium. Damit langfristig den Tagesbedarf abzudecken, wird jedoch schwer. Werden jegliche tierische Lebensmittel gemieden, kann die Proteinzufuhr leiden, aber auch wichtige Mikronährstoffe wie z.B. Eisen, Zink, Vitamin D und Vitamin B12. Entscheidet man sich, eine solch restriktive Ernährungsform langfristig einzuschlagen, sollte man sich gut informieren, auch über geeignete und hochwertige Ersatzprodukte. Wir raten Kindern, Schwangeren, älteren Menschen und Kranken von diesen Ernährungsformen ab.

 

Auf der Website der SGE kann man sich eine individuelle Lebensmittelpyramide zusammenstellen. Was ist die Idee dahinter?
Unter „Meine Pyramide“ kann sich jede/r eine persönliche Lebensmittelpyramide zusammenstellen. Das Tool zeigt übersichtlich, wie viel es von welchen Lebensmittelgruppen braucht und ermöglicht dann eine individuelle Auswahl an Lebensmitteln. Dazu wählt man aus sechs Gruppen diejenigen Lebensmittel aus, die man gern isst.

 

 

Steffi Schlüchter ist dipl. Ernährungsberaterin HF und arbeitet als Leiterin von nutrinfo® bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE, in Bern.

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