Kitchensound #12

„Denn da müsste Musik sein“.. wo auch immer ich gerade bin. Und das ist sehr oft in der Küche. Aber ich habe ja meine Playlist. Und eine böse musikalische Erinnerung.

 

Als ich so etwa 10 Jahre alt war, war ich mit meiner Mutter im „Vilan“ in Baden (ja der heisst heute anders) einkaufen und schlenderte durch die Musikabteilung. Neben all den Schallplatten und Kassetten sah ich zum allerersten Mal eine CD. Ganz verwundert und davon ausgehend, dass es sich beim darin enthaltenen Stück unmöglich um einen Musikdatenträger handeln konnte, ging ich näher ran, schaute sie alle an. Mein Blick blieb bei der CD von Sandra hängen. (Wer kennt sie noch?!)

 

sandra

 

Wenn ich dieses Cover sehe, legt sich heute noch ein leiser Schauer über meinen Rücken, was aber nicht zwingend mit der musikalischen Qualität der darauf bespielten Musik zusammenhängt. Ich nahm damals das Stück aus dem Regal, betrachtete es vorsichtig und fasziniert von allen Seiten und fragte mich, was das wohl sein könnte… Da wurde mir die CD urplötzlich und völlig grob aus der Hand gerissen. Zack.

Neben mir stand eine etwa drei Meter grosse Verkäuferin. Sie betrachtete mich mit zusammengekniffenen Augen und böse von weit oben herab. So wie die dürren schauerlichen Hexen aus den Trickfilmen, der Hintergrund sich grün-violett verfärbend, ihr strohiges Haar im eiskalten Wind wehend, der Blick finster, die Finger knochig. Als stünden nur noch sie und ich auf einem Felsvorsprung. „FÜR DAS BRUUCHTS ES GANZ TÜÜRS GRÄT!“, zischte sie mich an, schmiss die CD wieder ins Regal und stampfte aufgebracht weg.

Ich stand noch einige Minuten völlig verstört da. Blickte erschrocken auf all die CDs, nochmal auf die böse Frau, wieder auf die CDs, nochmal auf die böse Frau, hin und her.. und machte mich dann beschämt davon. Ja, DAS IST NOCH EINE VERKÄUFERIN! HÄ!

 

Jahre später hatte ich die grösste CD-Sammlung in meinem Freundeskreis. 3000, 4000, 5000 CDs.. ich hatte irgendwann aufgehört zu zählen. Habe sie liebevoll nach Stilrichtungen geordnet, sorgfältig verschiedenste Musikmixe zusammengestellt und verschenkt. Hätte ich einen Pool im Keller gehabt, hätte ich alle CDs da reingefüllt und jeden Abend glückselig darin gebadet. Wie Dagobert. Und manchmal denke ich an die kurze, unangenehme Szene im „Vilan“ zurück. Und an die Frau. Und dann denke ich: „Sonä dummi Sau!„.

Aber vielleicht hatte ich damals gerade wegen der unfreundlichen Hexe eine Art Trieb entwickelt ständig CDs zu kaufen. Daher war sie so gesehen wirklich eine 1A-Verkäuferin! Krass! Halt eher im Dienste der gesamten Musikindustrie, weniger für den „Vilan“, denn da traute ich mich nicht mehr hin.

 

Heute geht ja alles einfacher. Musik ist überall. Und Playlists sind, mit etwas Hingabe und Liebe, zack-zack zusammengestellt. Und mit meinen neuen Sennheiser-Kopfhörern bin ich sogar dann noch total entspannt und ruhig und zen, wenn die Kinder streiten. Oder an die Tür poltern. Oder in ihrem Zimmer alle Bibi & Tina-Soundtracks bei voller Lautstärke rauf und runter hören. – Kümmert. Mich. Nicht.

 

Meine Musik findet sich, immer wieder frisch upgedatet, auf dieser Spotify-Playlist, die den Namen kitchensound trägt. Dieser könnt ihr folgen. Ich höre sie jeweils im Shuffle-Modus.

Habt Freude daran.