Kleiner Tischknigge

Ich kenne Kinder, die benehmen sich am Tisch tadellos. Die sitzen brav und mit geradem Rücken da und sagen Danke und Bitte, sind höflich, probieren gespannt auch Unbekanntes und können mit Besteck umgehen. Und ich kenne andere.

 

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Da läufts nicht ganz so, wie man sich das im idealen Familienwunderland vorstellen würde. Da findet das Piratenessen täglich statt und Geschwister werden auch mal mit Lebensmitteln beworfen. Die Arme werden aufgestützt und auf ein fremdes Gericht folgt ein obligates „Wääh! – Dass ess ich nicht!“

 

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Und dann ist da ja noch diese Sache mit der Erziehung im Allgemeinen. Hat man schon versagt, wenn man den Kindern ständig Extramenüs kocht? Wenn man das Kind nicht 99Mal in Folge daran erinnern will, dass es doch bitte sitzen bleiben soll, bis alle fertig sind, und einfach resigniert? Wenn man dem Kind das Schnitzel zurechtschneidet, bis es 10 Jahre alt ist?

 

Manche Familien haben klare und strenge Tisch- und Essensregeln. Andere haben keine. Eine Freundin sagte mir einmal, dass es bei ihnen Zuhause keine Regeln gab, aber ich muss zugeben, sie weiss sich heute trotzdem zu benehmen.

Schlussendlich muss also jeder selbst für sich entscheiden, welches Verhalten er sich am Tisch von den Kindern wünscht, was anerzogen werden soll und was, mit dem Aufblühen der Vernunft, auch irgendwie von selbst kommt. Aber im Grunde sind so ein paar Basics sicherlich von Vorteil, wenn man sich bei Einladungen oder im Restaurant mit den Kindern nicht schämen will.

 

Bei uns gilt:

  1. Vor dem Essen werden die Hände gewaschen.
  2. Wir fangen an, wenn alle was im Teller haben (die kleinste in der Runde sieht das teilweise noch anders).
  3. Wir essen mit Besteck.
  4. Arme und Ellbogen werden nicht aufgestützt.
  5. Gegessen wird mit geschlossenem Mund.
  6. Bitte ‚Bitte und Danke‘ sagen.
  7. Wenn alle Kinder fertig sind, dürfen sie aufstehen – müssen aber vorher fragen.
  8. Der eigene Teller wird rausgetragen.

 

Mit einer knapp Dreijährigen ist es gewiss nicht immer so gesittet und wohl manchmal auch ein bisschen lauter, als wir uns das wünschen würden. Die Sauerei ist ebenfalls grösser. Aber ab diesen Alter kann man von einem Kind durchaus ein gewisses Benehmen erwarten.

 

Helfen kann folgendes:

  1. Als Vorbild gute Tischmanieren vorleben.
  2. Klare Regeln bestimmen. Dazu kann man auch von älteren Kinder ein Regelblatt schreiben lassen und dies neben dem Tisch aufhängen. Bei kleinen Kindern helfen Symbole oder Zeichnungen.
  3. Nicht ständig ermahnen. Das nervt und das nimmt irgendwann kein Kind mehr ernst. Liebevoll, aber bestimmt auf Fehlverhalten hinweisen.
  4. Konsequent sein. Sich also Folgen für Nichteinhaltung der eigenen Tischregeln im Vorfeld überlegen, allenfalls auch zusammen mit den (grösseren) Kindern welche bestimmen.
  5. Die Kinder in die Essenszubereitung miteinbeziehen, sie zuschauen, sie probieren lassen.
  6. Kinder auch mal den Speiseplan bestimmen lassen.
  7. Ab und zu Piratenessen (alle essen mit der Hand) oder Kinodinner (Häppchen oder Pizza vor dem Fernseher) einplanen.

 

Was habt ihr für Regeln? Und welche Konsequenzen bei Nichteinhaltung? – Schreibt mir: nadja@familienhäppchen.ch.