Räum! Endlich! Auf!

Hat jeder von uns schon gesagt. Mal total entspannt. Mal nicht so. Das Bild da oben ist übrigens nicht gestellt. Es ist die nackte Realität. Ein Schnappschuss aus unserem Alltag. Schauen wir also mal, was Elterncoach Annamaria Fisler zum Thema „Aufräumen“ sagt. 

 

Annamaria Fisler sagt „Die Unordentlichkeit der Kinder ist, egal in welchem Alter, eine der meisten Auseinandersetzungen im Alltag einer Familie.“ (Die Hausaufgaben sind da bei uns aber nah dran!). Ist bei uns also schon auch so, dass das Thema ab und zu mal auf den Tisch kommt. Oder in ein Zimmer gebrüllt wird.

 

Ich sehe aber schon auch einen Unterschied zwischen der Grossen und der Kleinen. Bei der Grossen quillt das Zimmer nicht über, auf den ersten Blick könnte man durchaus denken, es sei gar nicht so unordentlich. Bis man die Schränke öffnet. (Don’t! Do! That!)

Die Kleine wiederum, die macht da weniger auf understatement und stellt ihr Puff schamlos zur Schau, badet im Spielsachen-Durcheinander wie ich früher im Ikea-Bällebad. Und dann vermischt sie immer Playmobil- mit Polly Pocket- oder Disney- und Feen-Figürchen. Das macht mich rasend. DA DREHE ICH DURCH!!!

Kleiner Scherz. Naja, so ein bisschen wurmt mich das schon. Ja gut, nein. ES NERVT!

 

Grundsätzlich gilt bei uns die Regel, dass abends kurz aufgeräumt wird. So, dass man unfallfrei durchs Zimmer gehen kann. Grosse Aufräumaktionen gibt es sporadisch (die mit Entrümpelungsaktionen einher gehen). Und: Wenn du fertig gespielt hast, dann räume es weg, BEVOR du neues Spielzeug hervor nimmst. Klappt bei uns bestens, wie das Bild oben beweist.

 

Eigentlich wärs ja simpel. Eigentlich.

 

 

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„You never know what you have, until.. you clean your room“. Praktischer Paper Bag von stadtlandkind (und ja, diese schön aufgeräumte Szenerie ist gestellt im Fall!)

 

 

Also frage ich doch einfach mal jemanden, der mir mehr über dieses leidige Thema sagen könnte. Annamaria Fisler ist Dipl. Erziehungsberaterin und Elterncoach, sowie auch Dipl. Montessori-Pädagogin. Mutter ist sie auch. Und sie hat im eigenen Montessori-Kindergarten schon viele Kinder zum Aufräumen motivieren können. Auf ganz sanfte Art und Weise. Denn irgendwie habe ich das Gefühl, dass genervtes Rumbrüllen und dabei mit den Fäusten auf die Brust schlagen (auf die Eigene natürlich! Jesses!) und die Simulation von mütterlichen Nervenzusammenbrüchen eventuell gar nicht so viel bringen. Die Montessori-„Hilf-mir-es-selbst-zu-tun“-Herangehensweise aber vielleicht schon.

 

 

Annamaria Fisler, wie geht man das Thema Aufräumen am besten an?

 

Überlegen sie sich als Eltern was ihnen an diesem Thema wirklich wichtig ist und reflektieren sie darüber, ob sie evtl. nicht zu viel Ordnung oder sogar perfekte Ordnung von ihrem Kind verlangen. Beachten sollten sie auch die Altersstufe der Kinder. Gegenüber einem Kleinkind können sie nicht die gleichen Erwartungen haben, wie gegenüber einem Kindergartenkind und von einem Kindergartenkind können sie nicht das Gleiche, wie von einem Schulkind erwarten. Eines haben diese drei Altersstufen jedoch gemeinsam. Sie räumen nicht gerne auf, sie haben ihren eigenen Ordnungssinn und sie sind damit überfordert, wenn wir sie als Eltern zum Aufräumen auffordern.

 

Gehen Sie als Vorbild voraus und leben Sie Ordnung vor! Sie als Eltern entscheiden über die Aufräumregeln. Überlegen Sie sich erst einmal in welchem Raum gespielt werden darf. Darf es nur im Kinderzimmer sein oder evtl. auch im Wohnzimmer? Oder möchten sie evtl. sogar ein Spielzimmer einrichten? Wie oft möchten sie, dass aufgeräumt wird? Immer abends oder genügt vielleicht auch 1x wöchentlich?

 

Was Sie jedoch berücksichtigen sollten ist die Tatsache, dass ihr Kind vielleicht in Ihrer Nähe sein möchte und somit gerade dort spielt, wo Sie sich gerade aufhalten. Schätzen Sie die Situation ab und bieten sie eine Alternative an. Eine Alternative könnte sein, dass Sie im Wohnzimmer trotzdem eine kleine Spielecke mit nur einer Spielkiste einrichten, oder eine Bücherecke gestalten die zum Lesen animiert, oder geben Sie dem Kind einfach die Möglichkeit, am Esstisch malen oder basteln zu dürfen. Vereinbaren Sie, dass die Spielsachen dann wieder zurück an seinen Platz verräumt werden und Sie nicht möchten, dass sie im Wohnzimmer liegen bleiben. Hält sich das Kind nicht an die Vereinbarung, kann es am nächsten Tag nicht im Wohnzimmer spielen und spielt wieder in seinem Zimmer, eine logische Konsequenz. Konsequenzen sollten Sie nach Möglichkeit im Vorfeld besprechen.

 

Grundsätzlich gilt: Erlauben Sie heute nicht, was Sie morgen verbieten, denn das stiftet beim Kind Verwirrung.

 

Und wie schaffen wir konkret mehr Ordnung?

Oft sind die Kinderzimmer mit Spielsachen regelrecht überfüllt und wenn man genau hinschaut stellt man fest, dass bei weitem nicht jedes Spielzeug gebraucht wird. Ein Zeichen dafür, wieder einmal auszumisten, bzw. die uninteressanten Spielsachen, zusammen mit dem Kind, in eine Kiste zu packen und in Keller zu stellen. Man kann sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder holen und ganz bestimmt sind sie dann wieder interessanter. Oder Sie bringen die Spielsachen zur Spielzeugbörse, oder das Kind verschenkt sie einem anderen Kind.

Grundsätzlich gilt, jedes Spielzeug hat seinen festen Platz. Es steht in offenen Regalen, in Körben/Kisten verstaut und evtl. nach Bereich sortiert. Das Mobiliar ist in der Höhe kindgerecht. Jedes Spielzeug sollte nur einmal vorhanden sein. Wenn man mit einem Spielzeug nicht mehr spielen möchte, wird es verräumt, bevor man das nächste nimmt. Zusätzliche Unterstützung für das Kind bieten Aufkleber oder Fotos. Fotografieren Sie jede Kiste mit dem Inhalt und kleben Sie das Foto an die entsprechende Kiste. Es hilft dem Kind zu erkennen, welches Spielzeug in welche Kiste verräumt wird. Auf diese Art fördern sie gleichzeitig die Selbständigkeit ihres Kindes und es lernt, Verantwortung zu übernehmen.

 

 

Ah! Das kenne ich von unserer alten Krippe. Und mir schien die Kinder haben da immer gerne aufgeräumt. Aber wie bringt man das Kind nun schlussendlich dazu, dass es dann auch wirklich aufräumt?

 

Ganz kleinen Kindern kann man das Aufräumen auf spielerischer Art beibringen. Wir leiten sie in einfachen und klaren Sätzen an. Wir zeigen auf das Spielzeug und sagen ihm, in welche Kiste es gelegt wird.

Beispiel: deine Puppe ist jetzt müde, sie geht jetzt ins Bett.

 

Wenn Kinder hingegen schon sprechen können, könnte man zu ihnen sagen:

  • bringst du mir bitte alle Autos, alle Bauklötze, deine Puppen
  • bringst du mir bitte die roten Legoteile

 

Wenn Sie dieses Ritual einführen und von Anfang an praktizieren, werden Sie bestimmt viel weniger Schwierigkeiten haben. Ihr Kind kennt nämlich von klein auf nichts anderes und wird sich mit der Zeit kooperativer zeigen, wenn es dazu aufgefordert wird, aufzuräumen. Es wird diese Aufgabe selbständig meistern und braucht ihre Unterstützung immer weniger. Unterstützen Sie ihr Kind in diesem Prozess und greifen Sie ihm immer wieder unter die Arme, wenn es nötig ist und es einmal eine grosse Unordnung in seinem Zimmer hat.

 

Vergessen sie dabei nicht, dass

  • der mühsam aufgebaute Holzturm, oder die komplizierte Konstruktion stehen bleiben darf. Wir sollten nicht verlangen, dass diese ebenfalls aufgeräumt werden.
  • Sie das Aufräumen ihres Kindes anerkennen, es war bestimmt anstrengend für das Kind. Vermeiden Sie Sätze wie, „das ist aber nicht schön aufgeräumt!“

 

 

Wir fangen also schon möglichst früh damit an, das Kind bezüglich Aufräumen zu sensibilisieren. Gut. Und bei älteren Kindern?

Bei älteren Kindern, ab ca. Kindergartenalter, ergibt sich die Möglichkeit einer Familienkonferenz, welche höchstens 20 Minuten dauern sollte. Gemeinsam sucht man nach einer Lösung, welche für alle Beteiligten stimmt. Ein Familienmitglied übernimmt die Führung der Familienkonferenz. Wichtig ist, dass nicht sie als Eltern alleine entscheiden, was Sache ist. Kinder haben das gleiche Mitspracherecht. Die Familienkonferenz sollte in regelmässigen Abständen abgehalten werden. Anfangs wäre es sinnvoll 1x wöchentlich und immer zur gleichen Zeit. Bei den darauffolgenden Sitzungen wird jeweils besprochen „Was hat gut funktioniert? Was hat weniger gut funktioniert?“. Behandeln sie immer nur ein Thema und nicht gleich mehrere.

 

Denken Sie daran, dass sie von ihren Kindern keine „perfekte Ordnung“ erwarten können. Wenn Kinder spielen, sind sie in ihrer eigenen Welt, manchmal sogar unerreichbar. Drücken sie dann einfach einmal mehr, ein Auge zu. Aufräumen ist nicht eine lebensbedrohliche Angelegenheit.

 

 

 

 

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Annamaria Fisler

  • Dipl. Erziehungsberaterin/Elterncoach
  • Dipl. Montessori-Pädagogin
  • Zert. STEP-Trainerin
  • Eltern- und Erwachsenenbildung
  • Mehr Infos zu Beratung/Kurse/Workshops: www.annamariafisler.ch