Schwanger spörtlen

(Illustration: Sascha Butphaeo Bucchéri)

Wieviel Sport ist gut und wann wird’s zuviel? Und welche Sportarten sind überhaupt geeignet? Diese Fragen beantworten zwei Personen die es wissen. 

 

Ich selber habe in meinen beiden Schwangerschaften Sport getrieben. Beim ersten Mal war ich so 1-2 wöchentlich Schwimmen. Beim zweiten Mal war ich anfangs noch 2-3 Mal die Woche joggen, woraus später gezwungenermassen ein Walken wurde. Und irgendwann lag ich dann flach. Froh, dass ich mich aber regelmässig bewegt habe, war ich bei beiden Malen. So fürs Wohlgefühl. Auch haben meine Ärzte mir Sport in der Schwangerschaft stets empfohlen.

Warum dem so ist und was uns sporttechnisch in der Schwangerschaft gut tut, das weiss Dr. med. Niklaus Flütsch, ein Gynäkologe aus Zug.

 

 

Dr. Flütsch, warum wird Sport in der Schwangerschaft empfohlen?

Sport in der Schwangerschaft hält Frauen fit und macht die Geburt auch einfacher. Zudem beugt man mit regelmässiger Bewegung dem Schwangerschaftsdiabetes vor und es kommt weniger zu Wassereinlagerung in den Beinen (Ödeme). Auch der Rücken wird gestärkt, was zu weniger Rückenschmerzen führt.

 

Welche Sportarten eignen sich in der Schwangerschaft besonders gut? 

Ausdauersport mit wenig Belastung der Gelenke: Schwimmen, Aquafit, Walken, Wandern und auch Joggen (das aber nicht mehr im dritten Trimenon). Fahrradfahren ist grundsätzlich sehr geeignet, hier muss einfach beachtet werden, dass bei höheren Geschwindigkeiten eine gewisse Unfallgefahr besteht, mit der Gefahr einer Bauchverletzung (vorzeitige Plazentalösung). Deshalb wäre der Hometrainer oder das Spinningrad hier die geeignetere Alternative.

 

Was sollte man denn beachten, wenn man schwanger Sport treibt?

Beim Ausdauersport sollte man nicht übertreiben; das heisst, man muss sich noch unterhalten können ohne gleich ausser Atem zu sein. Der Puls sollte sich im aeroben Bereich (125-145) bewegen. Alle Sportarten mit Geschwindigkeit wie Skifahren, Inlineskaten, Schlitteln bergen die Gefahr einer Bauchverletzung die zu einer Plazentalösung führen können und sollten v.a. in der fortgeschrittenen Schwangerschaft nicht mehr ausgeübt werden.

Sportarten wie Fallschirmspringen, Gleitschirmfliegen oder Bungie-Jumping dürfen wegen den abrupten Bewegungen nicht ausgeübt werden.

Auch Sporttauchen mit Pressluftflaschen können wegen den Luftembolien für das Ungeborene gefährlich sein und sollte somit nicht ausgeübt werden.

Krafttraining darf auch in der Schwangerschaft gemacht werden, wobei hier die Bauchmuskulatur ab dem 2. Trimenon nicht mehr trainiert werden sollte (meist geht das auch gar nicht mehr ohne Beschwerden). Das Bauchmuskeltraining kann aber ab 6 Wochen nach der Geburt schon wieder aufgenommen werden.

 

 

Wieviel Sport verträgt eine schwangere Frau? 

Das hängt vom Trainingszustand vor der Schwangerschaft ab. Im Prinzip darf man gleich häufig trainieren wie vorher, dies aber mit weniger Intensität. Man sollte kein Aufbauttraining machen und auch keine Wettkampfvorbereitungen. Wenn man vor der Schwangerschaft keinen Sport getrieben hat, lohnt es sich, dies zusammen mit einem Fitnesstrainer anzugehen und sich ein entsprechendes Programm zusammenstellen zu lassen.

 

Hat Sport dennoch Auswirkungen auf das Ungeborene?

Sport im vernünftigen Rahmen hat keine negativen Auswirkungen auf das Ungeborene. Wie oben schon erwähnt, kann regelmässiges körperliches Ausdauertraining vor Schwangerschaftsdiabetes schützen und das Kind sogar vor Komplikationen wie Übergewicht und Schwangerschaftsvergiftungen schützen.

 

Wie lange soll/darf man in der Schwangerschaft Sport treiben?

Bis man keine Lust mehr dazu hat ;-). Grundsätzlich solange man keine Beschwerden hat.

Joggen kann man in der Spätschwangerschaft durch Walken ersetzen. Und Schwimmen geht meist noch gut bis zur Geburt, da im Wasser das Gewicht des Bauches nicht so ins Gewicht fällt.

 

Ich denke, dass jede Frau, die schon mal schwanger war und sich mit Babybauch im Wasser aufgehalten hat, bestätigen kann, wie leicht man sich dann fühlt. Dennoch ist Schwimmen nicht für Jede was. Den einen wird beim Längen schwimmen langweilig und die anderen stört das Gespritze. Aber da gibt es ja noch eine Alternative: Wassergymnastik für Schwangere. Die kenne ich selber nur vom Hörensagen. Aber Frau Odermatt von babys-im-wasser.ch kennt sich da bestens aus.

Frau Odermatt, warum ist Wassergymnastik bei Schwangeren so beliebt?

In unseren Kursangeboten „Wassergymnastik für Schwangere“ beobachten wir, dass die Frauen es schätzen mit Gleichgesinnten einen Kurs zu besuchen. Da können sie sich auch gegenseitig austauschen. Und bei der Wassergymnastik kann man sich eine Weile lang schwerelos fühlen. Das geniessen viele Frauen in der Schwangerschaft sehr.

 

Was sind konkret die Vorteile, wenn man in der Schwangerschaft Wassergymnastik betreibt?

Man hält sich fit, stärkt die Muskulatur – aber belastet die Knochen und Gelenke nicht so, dass einem nachher etwas wehtut oder man sich überfordert fühlt. Frauen, die vorher sportlich aktiv waren, finden einen neuen Ausgleich. Andere entdecken die Freude am Wasser und besuchen nach der Geburt oftmals noch einen Aquafitkurs. Überdies haben die Frauen die Möglichkeit in einem entspannten Umfeld die Bindung zu ihrem ungeborenen Kind weiter zu vertiefen. Dieses wiederum reagiert positiv auf die leichten, wellenförmigen Druckbewegungen auf den Bauch.

 

Wie oft sollte man Schwangerschaftsgymnastik im Wasser betreiben, damit es etwas bringt?

Einmal wöchentlich ist völlig ok. Wenn man aber zusätzlich noch einen anderen sportlichen Ausgleich hat, wäre das ideal.

 

 

Und nach der Schwangerschaft folgen dann oftmals die Babyschwimmkurse, die Sie ja auch anbieten. Was konkret bringt das den Babys? Oder anders gefragt, was erleben da Babys, was sie wiederum in der Badewanne Zuhause nicht erleben können?

Das Babyschwimmen ist eine sanfte und auch spielerische Wasserangewöhnung. Ohne zu Tauchen. Dabei ist die Gruppendynamik sehr wertvoll, das Zusammensein. Die Babys lernen zu teilen und das gemeinsame Singen stärkt die Zusammengehörigkeit. Oft entstehen gerade in diesen Kursen auch Freundschaften unter den Müttern, bzw. Eltern.

 

 

Also, auch schwanger dürfen und sollen wir uns bewegen. Einfach immer schön vernünftig bleiben. Und für den Marathon könnt ihr dann später wieder trainieren.

Wer sich für Schwangerschaftsgymnastik im Wasser oder das Babyschwimmen interessiert, findet mehr Infos unter www.babys-im-wasser.ch. Geturnt und geplanscht wird in den Regionen Zug, Zürich, Luzern, Schwyz und Nidwalden.