Tischglück

(Illustration: Sascha Butphaeo Bucchéri)

Das gemeinsame Essen mit der Familie soll ja ein gemütliches Beisammensein sein. Man soll sich wohl fühlen, gerne mit seinen Lieben am Tisch sitzen und sich über alles mögliche unterhalten können. Klingt schön, funktioniert aber nicht immer. Doch wenn mans von klein auf trainiert, stehen die Chancen gut. 

 

Nur wenn das Dreijährige ständig um den Tisch rennt, der Teenie am Handy hängt, der Papa Zeitung liest und sich noch ein Stück Käse oder eine Wurst aus dem Kühlschrank holt und Mama mit einem Auge in Richtung Laptop schielt, wird’s schwierig. Und dann werden alle noch angemotzt, weil sie a) nicht stillsitzen, b) die Kids Mama und Papa endlos miteinander diskutieren lassen sollen und nix sagen dürfen oder c) das Essen nicht schmeckt. Am Ende ist es gar nicht mehr so schön am Tisch. Und alle nerven.

 

Kathrin Buholzer ist Betreiberin von elternplanet, der Erziehungs- und Beratungsplattform für Eltern, Journalistin und sie ist selber Mutter von zwei Kindern. Sieweisswieslauft.

 

Kathrin, es gibt ja diese Tischrituale, ein Liedli singen oder ein Sprüchli aufsagen. Warum macht das deiner Meinung nach Sinn? 

Ein gemeinsamer Start ist wichtig, damit die hungrigen Kinder nicht schon mit den Händen in die Teller und Schüsseln greifen, bevor überhaupt alle am Tisch sind.

 

Welche Tischrituale gibt es bei euch zuhause?
Früher, als die Kinder noch kleiner waren, haben wir immer ein lustiges Sprüchlein gesagt. Heute gilt die Regel: Wir warten mit essen bis alle sitzen und was im Teller haben.

 

Nun hat man vielleicht ein Kind am Tisch, dass überhaupt nicht so will, wie die Eltern. Wie überzeugt man es dennoch?
Wenn es nicht essen will: Kein grosses Drama daraus machen. Nicht alle Kinder haben immer gleich viel Appetit. Also das Kind nicht ständig ermahnen und schimpfen, dass es jetzt essen soll. Lieber ein bisschen ablenken und über andere Dinge sprechen, als es ständig zurecht zu weisen.
Wenn ein Kind partout kein Gemüse essen will, so kann man es manchmal mit ein paar lustigen Geschichten dennoch zum Probieren animieren. Die Kartoffeln sind z.B Piratenschiffe, die Erbsli die Piraten und die wollen natürlich auch in den Bauch zu den Kartoffeln (klappt vor allem bei kleineren Kindern oft recht gut).
Meistens weiss man als Eltern genau, was man NICHT will, deshalb ist es auch wichtig, sich die Frage zu stellen: WAS will man denn als Eltern? Manchmal sind die Erwartungen an die Kinder auch ein bisschen hoch und man stresst sich damit nur selber.

 

Was sind geeignete Sanktionen/Konsequenzen rund um den Tisch, wenn gar nichts mehr geht?
Bevor man zu Sanktionen und Konsequenzen greift, ist es besser, wenn man sich als Eltern überlegt, was man sich denn von den Kindern wünscht? Was sollen sie denn besser machen? Dann muss man auch immer ein bisschen selbstkritisch sein: Wenn ich will, dass meine Kids während dem Essen am Tisch bleiben und nicht ständig aufstehen, wie sieht das denn bei mir aus? Stehe ich nicht selber auch immer mal wieder auf und hole noch den Wasserkrug oder gehe in die Küche und stelle noch den Dampfabzug aus?
Dann gilt es ein paar Regeln und Abmachungen zu treffen. Was braucht es, damit wir friedlich zusammen essen können? Das können ein paar Gesprächsregeln sein oder auch ein paar Abmachungen, was man tut, wenn man etwas nicht mag und wann man vom Tisch weg darf. Diese Abmachungen schreibt man dann auf ein Blatt, wenn die Kinder noch nicht lesen können kann man sie auch zeichnen oder Bilder aufkleben und hängt die dann irgendwo gut sichtbar auf. Vor dem Essen kann man die Kids nochmal kurz darauf aufmerksam machen. Meistens reicht das schon und es braucht dann gar keine Sanktionen mehr.
Wenn es dann wirklich trotzdem nicht klappt: Einfach nochmal auf die Regeln hinweisen oder dann halt auch mal den Teller einen Moment in die Mitte stellen oder wegnehmen. Am besten nur kurz und ihn dann wieder zurück stellen, damit das Kind nochmals eine Chance bekommt.

 

Wie wird das gemeinsame Essen zum positiven Erlebnis?
In dem man sich austauscht, sich Dinge erzählt, und eben nicht ständig nur die Kinder zurecht weist und sie mit Anweisungen zutextet.

 

Was sind deiner Meinung nach die Vorteile von regelmässigen, gemeinsamen Familienessen?
Kinder lernen Gesprächsregeln, auch mal einen Moment zuzuhören. Manchmal erfährt man aus Tischgesprächen Dinge, die man sonst vielleicht nicht erfahren hätte. Gerade wenn die Kinder schon etwas älter und oft unterwegs sind, ist ein Mittag- oder Abendessen oft der einzige Moment, in denen alle zusammensitzen und Zeit haben sich auszutauschen.

 

Was tolerierst du selber bei euch Zuhause am Tisch nicht?
Ein Handy am Tisch oder wenn der TV laufen würde. Auch Beleidigungen, mit Essen rumschmeissen und den Koch beleidigen, so à la: „Wäääähhh. Das ist sooooo gruuusig. Muss ich so was gruuusiges essen?“

 

Je älter die Kinder werden, sitzen auch mal Freunde der Kinder mit am Tisch. Was tun, wenn sich diese schlecht benehmen? Ignorieren oder drauf ansprechen?
Hier kommt es natürlich ein bisschen darauf an, worum es geht. Grundsätzlich würd ich es ansprechen. Wenn man im eigenen zu Hause Regeln hat, dann gelten die nicht nur für die eigenen, sondern auch für die eingeladenen Kinder.
Das kommuniziert man am besten gleich, bevor man mit dem Essen anfängt, damit es keine Missverständnisse gibt.

 

 

TISCHSPRÜCHLI VON KATHRIN BUHOLZER

 

E guete mitenand
de Tisch kracht abenand
d Tigere, d Löie, d Känguruhs (da kann man irgend ein Tier wählen) gumpe wiit
e guete Appettit

 

E guete mitenand
der Tisch kracht abenand
d Spaghetti, d Pizza, der Broccoli (je nach dem was man gerade isst) gumpe wiit
e guete Appettit

 

Es grosses und dicks Krokodil,
das frisst und frisst ganz furchtbar viel
Es schmatzt und schmatzt
(Kinder schmatzen)
bis es platzt
(Kinder schlagen auf den Tisch)

 

 

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