Tischmanieren

Nur weil man erwachsen ist, heisst das nicht, dass man sich am Tisch auch tadellos benimmt. Lucia Bleuler, Image-Coach und Knigge-Expertin kann ein Liedchen davon singen.

 

Vermutlich stechen ihr kleine Misstritte noch etwas mehr ins Auge als uns. Aber ich habe mich auch schon einige Male gewundert, als ich Erwachsenen gegenüber sass.

So wie ich mich auch schon bei einigen Kindern gewundert habe, wie sie das Besteck halten oder ganz selbstverständlich jegliches Bitte und Danke unterlassen. Oder immer wieder aufstehen. Oder den Kopf schier in den Teller legen. Die Arme aufstützen. Oder schmatzen. Oder den Teller einfach wegschieben, wenn sie den Inhalt nicht mögen.

 

Ich persönlich bin der Meinung, dass ich – was Tischmanieren betrifft – sehr gut erzogen wurde. All das oben genannte wäre bei uns zuhause UNDENKBAR gewesen. Klar habe ich es als Kind das eine oder andere Mal versucht – aber mir wurde ziemlich schnell klar gemacht, DASS SICH DAS NICHT GEHÖRT, NADJA!! Und heute klappt das mit mir und den Tischmanieren ganz gut. Finde ich. Nun gilt es natürlich, mein Wissen weiter zu geben, aber wie das so ist, mit den lieben Kinderlein, die Gratwanderung zwischen Kinder Zutexten und Nichtssagen ist schwierig. Noch sind wir nicht ganz genau da, wo ich hin möchte. Ich gebe aber mein Bestes, so dass auch meine Kinder sich als Erwachsene nicht zu schämen brauchen.

 

Tischmanieren, ein Thema, dass mich immer wieder mal beschäftigt. So war ich gespannt auf Lucia Bleulers Sicht der Dinge.

 

 

Frau Bleuler, warum sind gute Manieren so wichtig?

Gute Manieren erleichtern das Zusammenleben und den Umgang miteinander. Auch zeigt es die Wertschätzung ans Gegenüber. Am besten lernt man das von klein auf, so dass es sitzt und man sich ganz natürlich korrekt verhält.

 

Was sind für Sie die wichtigsten Tischregeln?

Erstens der richtige Umgang mit Besteck. Viele erwachsene Menschen wissen nicht mehr wie man mit Messer und Gabel richtig umgeht. Und zweitens die Haltung am Tisch. Die soll nicht gekünstelt sein, so dass man steif da sitzt, man soll aber auch nicht auf dem Teller liegen. Die Haltung soll natürlich und respektvoll sein.

 

Ab welchem Alter kann man dies am Tisch auch von Kindern erwarten?

Ein Kind soll Kind sein dürfen. Kleine Kinder sollen und dürfen mit den Händen essen. Da darf man noch nicht zuviel erwarten. 3-4 Jährige müssen Spaghetti noch nicht perfekt mit einer Gabel aufdrehen können. Diese Zeit ist aber begrenzt. Ab 6 Jahren sollte sich abzeichnen, dass das Kind die Basics kennt und übt.

 

Was beobachten Sie, wenn Sie selber am Tisch sitzen? Wie gut beherrscht unsere Gesellschaft diese Regeln?

Es ist erstaunlich wie viele Leute Mühe haben, das Besteck richtig in der Hand zu halten. Und ich sehe auch immer wieder Erwachsene, die ein Wein- oder Sektglas mit der ganzen Hand, wie ein Kleinkind, umfassen. Oder die Servietten nicht benutzen. Oder die eine Hand unter dem Tisch parkieren und mit der anderen essen. Viele Vertreter der 68-Generation haben es verpasst, ihren Kindern gute Manieren beizubringen. So kommt es dann auch vor, dass Manager in Ruhezügen ungerührt und ohne Rücksicht lange Telefongespräche führen. Oder manche Teenager heute in öffentlichen Verkehrsmitteln ganz selbstverständlich die Schuhe aufs Polster legen und sich nicht einmal bewusst sind, dass sich das nicht gehört. Weil es ihnen einfach noch nie jemand gesagt hat.

 

Sie selber bieten auch Benimmkurse für Kinder und Jugendliche an. Wie sieht so ein Kurs aus?

Wir mixen anfangs zusammen einen fruchtigen Drink, machen eine kleine Apéroparty, decken zusammen den Tisch und essen dann gemeinsam. Dabei kann ich den Kindern auf ganz natürliche Art und Weise Umgangsformen vermitteln, ihnen zeigen, wie man miteinander umgeht, wie man sich vorstellt und auf jemanden zugeht oder wie man Leute korrekt begrüsst. Wir tauschen uns gegenseitig aus und da entstehen immer auch ganz interessante Diskussionen. Die Kinder haben grossen Spass im Kurs und viele kommen auch gerne wieder.

 

Wie fördert man selbst am Tisch von seinen Kindern gutes Benehmen?

Das wichtigste ist die Vorbildfunktion. Wenn schon die Eltern gute Manieren nicht beherrschen, dann wird’s schwierig. Nutzt die Vorbildfunktion allein nichts, dann könnte man das Thema ansprechen und den Kindern den Nutzen von gutem Benehmen aufzeigen. Ihnen erklären, dass sie es mit dem entsprechenden Verhalten viel einfacher im Leben haben werden – bei Dates, im Job, im Alltag. Wer freundlich und höflich ist und sich zu benehmen weiss, der kann mit anderen besser kommunizieren, wird im Job weiter kommen und kann davon ausgehen, dass das Umfeld ebenso respektvoll mit einem umgeht.

Da helfen und unterstützen eben auch die Kurse, da die Kinder bei den Eltern auch gerne mal auf Durchzug stellen und nicht hinhören. Wird die Thematik von einer Drittperson vermittelt, bleiben die Basics eher haften und die Kinder kriegen Spass daran. So ein Kurs kann man auch als Investition in die Persönlichkeit sehen.

 

 

Lucia Bleuler, Image-Coach und Knigge-Expertin, gibt Seminare für Erwachsene, Teenager und Kinder ab 6 Jahren. Mehr Infos hierzu auf: www.luciableuler.ch. 

Schon 1997 startete Lucia Bleuler als Pionierin in diesem Gebiet mit ihren ersten Benimmseminaren für Kinder. Mit grossem Erfolg. Später folgten u.a. die Bücher „Messer, Gabel, Enterhaken – ein Benimmroman für Kinder und Piraten“ und „Kids bei Tisch – ein kleiner Kinderknigge“, die man direkt auf ihrer Website bestellen kann.

 

Foto: C. Larsen